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Fragen und Antworten mit dem Experten: Alles, was Sie über MOSH und MOAH wissen müssen

Mineralöle in Lebensmitteln sind nach wie vor ein großes Problem für die Lebensmittelindustrie. Vor allem MOSH und MOAH werden von Behörden, Prüfern und QS-Teams zunehmend beachtet. Aber was genau bedeuten diese Begriffe, wie werden sie analysiert und wo liegen die größten Risiken? Wir haben einen Experten aus dem Labor befragt.

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Drs Ing Hassan El khallabi || Laborleiter || Normec Green Agro Control

Was verstehen wir unter MOSH und MOAH?

MOSH und MOAH sind zwei große Fraktionen von Mineralöl. MOSH steht für Mineral Oil Saturated Hydrocarbons und umfasst gesättigte aliphatische und zyklische Kohlenwasserstoffe. MOAH steht für Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons (aromatische Kohlenwasserstoffe) und besteht aus aromatischen Kohlenwasserstoffen mit einem oder mehreren aromatischen Ringen.

Sie sind ein komplexes Gemisch aus Hunderten bis Tausenden von Komponenten, die aus Erdöl gewonnen werden. Diese Stoffe haben keine technologische Funktion in Lebensmitteln, können aber unbeabsichtigt in diese gelangen. Dies kann durch Verpackungsmaterialien wie Recyclingkarton und Druckfarben, aber auch durch Schmierstoffe, Prozesshilfsmittel, Beschichtungen oder Umweltverschmutzung geschehen.

Welche Analysemethoden verwendet ein Labor zur Bestimmung von MOSH und MOAH?

Um zuverlässige Ergebnisse zu erzielen, kombinieren wir mehrere Analysetechniken. Die Basis ist eine LC-GC-FID-Plattform, die gemäß EN 16995:2017 durchgeführt wird: die empfohlene Norm für MOSH/MOAH-Analysen.

Diese Norm gewährleistet reproduzierbare Ergebnisse und wird von Einrichtungen wie der EFSA weitgehend akzeptiert. Dadurch eignet sich die Methode für Auditzwecke, Zertifizierungen und die Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften.

Die Analyse erfolgt in drei Schritten:

  • Zunächst erfolgt die Probenextraktion. Ziel dieses Schritts ist es, MOSH und MOAH aus dem Lebensmittel freizusetzen und sie von Wasser, Proteinen und anderen Matrixbestandteilen zu trennen. In der Regel verwenden wir eine Lösungsmittelextraktion, z. B. mit Hexan oder einem Gemisch aus Hexan und Dichlormethan. Bei schwierigeren Matrices können Techniken wie die Soxhlet-Extraktion oder die beschleunigte Lösungsmittelextraktion (ASE) eingesetzt werden.
  • Anschließend erfolgt die Trennung und Reinigung. In diesem Schritt trennen wir MOSH und MOAH voneinander und von natürlichen Fetten ab. Dies geschieht häufig durch Säulenchromatographie auf Kieselerde oder Aluminiumoxid. Bei einigen Methoden wird die HPLC auch als Vorabtrennung eingesetzt, insbesondere um die MOAH-Fraktion weiter zu reinigen.
  • Schließlich folgt die Detektion und Quantifizierung. Die am häufigsten verwendete Technik hierfür ist die Gaschromatographie mit Flammenionisationsdetektor (LC-GC-FID). Damit bestimmen wir die MOSH- und MOAH-Fraktionen anhand ihres Kohlenstoffkettenprofils.

Bei sehr komplexen Matrices kann die zweidimensionale Gaschromatographie (GC×GC-FID) eingesetzt werden, um einen höheren Trennungsgrad zu erreichen. Die Massenspektrometrie (GC-MS oder GC×GC-MS) wird manchmal zur Strukturbestätigung, aber seltener zur routinemäßigen Quantifizierung eingesetzt.

Wie werden die Ergebnisse interpretiert?

Die Ergebnisse werden als MOSH- und MOAH-Fraktionen innerhalb bestimmter Kohlenstoffbereiche, z. B. C15-C35, angegeben. Darüber hinaus wird auch die Gesamtsumme der Fraktionen angegeben, um der analytischen Natur dieser komplexen Gemische Rechnung zu tragen.

Die Konzentrationen werden in mg/kg Produkt angegeben. Bei der Interpretation betrachten wir sowohl die einzelnen Fraktionen als auch die Gesamtsummenkonzentration und vergleichen sie mit geltenden Rechtsvorschriften, Richtwerten oder Risikobewertungen. Auf dieser Grundlage schätzen wir ein, ob das Vorhandensein von MOSH und MOAH unter dem Gesichtspunkt der Lebensmittelsicherheit akzeptabel ist, wobei wir jegliche Messunsicherheit berücksichtigen.

Warum werden MOSH und MOAH normalerweise als Kohlenstoffgruppen und nicht als Einzelsubstanzen bestimmt?

Das liegt vor allem an der Natur dieser Kontaminanten. Denn MOSH und MOAH sind keine einzelnen, klar definierten Stoffe, sondern hochkomplexe Gemische aus Hunderten bis Tausenden verschiedener Kohlenwasserstoffe.

Die Identifizierung und Quantifizierung all dieser Komponenten ist analytisch nicht praktikabel. Daher werden sie nach ihrer chemischen Struktur - gesättigt oder aromatisch - und ihrem Kohlenstoffzahlbereich, z. B. C15-C35, gruppiert. Durch die Messung dieser Fraktionen erhalten wir einen zuverlässigen und reproduzierbaren Hinweis auf die gesamte MOSH- und MOAH-Belastung, ohne jede einzelne Verbindung separat analysieren zu müssen.

Warum ist die Bestimmung von MOSH und MOAH in manchen Matrices so schwierig?

Besonders schwierig wird die Analyse in komplexen oder fettreichen Matrices wie Schokolade, Gewürzen oder Pflanzenölen. Natürliche Lipide, wie Triglyceride und Sterole, können stören, da sie ähnliche Kohlenstoffkettenlängen und ein ähnliches chromatographisches Verhalten wie MOSH aufweisen. Infolgedessen können sich die Signale überschneiden.

Darüber hinaus können sich Mineralöle an Lebensmittelbestandteile wie Proteine oder Fasern binden, was die Extraktion erschwert. Die oft geringen Konzentrationen von MOSH und MOAH im Verhältnis zum Gesamtfettgehalt erschweren den Nachweis zusätzlich.

Hinzu kommt, dass die große chemische Vielfalt dieser Mischungen die Analyse erschwert. Daher sind fortschrittliche chromatographische Techniken erforderlich, um eine zuverlässige Trennung und Quantifizierung zu gewährleisten.

In welchen Rohstoffen und Materialien ist es sinnvoll, MOSH und MOAH zu analysieren?

MOSH- und MOAH-Analysen sind vor allem bei Rohstoffen und Materialien relevant, bei denen ein reales Risiko einer Mineralölverunreinigung besteht.

Dies gilt vor allem für fetthaltige Produkte, wie pflanzliche Öle und Fette, Kakao, Schokolade, Nüsse und Samen. Diese Produkte können relativ leicht Mineralöle aufnehmen. Trockenprodukte wie Getreide, Mehl, Reis, Kräuter und Gewürze sind ebenfalls empfindlich, z. B. durch den Kontakt mit Verpackungsmaterialien während der Lagerung und des Transports.

Darüber hinaus ist die Analyse von Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, wie Recyclingpapier und -karton, Druckfarben, Klebstoffe und Beschichtungen, wegen der möglichen Migration wichtig. Schließlich verdienen auch Prozesshilfsmittel wie Schmiermittel und Trennmittel Aufmerksamkeit, wenn ein Risiko des Kontakts mit dem Produkt besteht.

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