Warum eine erneute Validierung jetzt notwendig ist
Die Welt der Lebensmittel steht nicht still. Neue Trends bringen auch neue Risiken mit sich. Pflanzliche Produkte sind ein gutes Beispiel dafür: Wo früher Krankheitserreger wie Listeria oder Salmonella das Hauptproblem waren, wird jetzt zunehmend auf Bacillus cereus in pflanzlichen Rohstoffen und Fertigprodukten geachtet.
Außerdem kann die Matrix eines Produkts - Fettgehalt, Wasseraktivität, pH-Wert oder Viskosität - einen großen Einfluss darauf haben, wie schnell und vollständig Mikroorganismen abgetötet werden. Ein Erhitzungsschritt, der sich bei Milch oder Suppe bewährt hat, kann sich bei einem dickeren oder proteinreichen Produkt plötzlich als unzureichend erweisen. Selbst kleine Änderungen der Rezeptur oder der Prozessbedingungen können sich auf das mikrobiologische Risiko auswirken.
Daher reicht es nicht mehr aus, sich auf theoretische D und z Werte oder Tabellen aus der Literatur zu verlassen. Die Unternehmen müssen nachweisen können, dass ihr eigener Prozess unter ihren eigenen Bedingungen das gewünschte Sicherheitsniveau erreicht. Genau das ermöglicht die Inline-Prozessvalidierung.
Wie funktioniert die Inline-Prozessvalidierung?
Bei einer Inline-Prozessvalidierung wird der eigentliche Produktionsprozess auf seine Fähigkeit zur effektiven Reduzierung von Mikroorganismen getestet. Dies geschieht durch die absichtliche Zugabe von Indikator- oder Surrogat-Mikroorganismen - Stämme, die für die betreffenden Krankheitserreger repräsentativ sind, mit denen man aber sicher arbeiten kann.
Das Verfahren umfasst mehrere Stufen. Zunächst wird bestimmt, welcher Mikroorganismus oder welches Surrogat für die Validierung geeignet ist, und zwar auf der Grundlage ähnlicher Hitzebeständigkeit oder Stressreaktion. Anschließend wird eine Testcharge des Produkts mit einer kontrollierten Konzentration des ausgewählten Stammes geimpft. Diese Charge wird dann unter normalen Prozessbedingungen behandelt - zum Beispiel pasteurisiert, gedämpft oder sterilisiert - und anschließend mikrobiologisch analysiert, um die log-Reduktion zu berechnen.
Dabei werden in-line, d.h. in der realen Produktionsumgebung mit den firmeneigenen Anlagen, alle relevanten Faktoren berücksichtigt: die tatsächliche Temperaturverteilung, die Durchlaufzeit, die Homogenität des Produkts und sogar der Einfluss von Reinigungs- oder Wiederanlaufzeiten. Das Ergebnis ist der zuverlässige Nachweis, dass der kritische Prozessschritt unter realen Bedingungen die angestrebte mikrobiologische Abtötung erfüllt.
Von der Validierung zur kontinuierlichen Sicherstellung
Eine erfolgreiche Prozessvalidierung hört nicht mit einem erfolgreichen Test auf. Ihre Stärke liegt in der Sicherheit. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für eine Reihe von kritischen Parametern - wie Mindesttemperatur, Zeit, Druck oder pH-Wert -, die während der Produktion kontinuierlich überwacht werden. Diese Parameter werden im HACCP-Plan oder im Prozessleitsystem festgehalten, so dass jede Charge nachweislich die validierte Sicherheitsmarge einhält.
Darüber hinaus ist es wichtig, die Validierungen regelmäßig zu überprüfen. Neue Rohstoffe, veränderte Prozesseinstellungen oder technologische Innovationen können eine Neubewertung auslösen. Die Inline-Validierung wird so nicht zu einer einmaligen Übung, sondern zu einem dynamischen Teil des Qualitätsmanagements.
Mehr als Konformität: auch Vertrauen und Effizienz
Die Inline-Prozessvalidierung bietet nicht nur Sicherheit gegenüber Behörden und Kunden, sondern stärkt auch das interne Vertrauen. Die Bediener verstehen besser, warum bestimmte Einstellungen entscheidend sind, die F&E erhält konkrete Daten zur Optimierung der Rezepturen, und die Qualitätssicherung kann wissenschaftlich nachweisen, dass die Produktsicherheit gewährleistet ist.
Außerdem können Inline-Validierungen zu mehr Prozesswissen und sogar zu Optimierungen führen. Manchmal stellt sich heraus, dass ein bestimmter Erhitzungsschritt länger als nötig dauert, was Energie kostet und die Produktqualität beeinträchtigt. Eine ordnungsgemäß durchgeführte Validierung kann zeigen, dass die mikrobiologische Sicherheit auch bei milderen Bedingungen gewährleistet ist - mit Vorteilen für Geschmack, Textur und Nachhaltigkeit.
Die Zukunft: Echtzeit-Validierung
Mit dem Aufkommen der Sensortechnologie und der datengesteuerten Qualitätskontrolle wird sich die Prozessvalidierung in Zukunft noch weiter entwickeln. Anstelle periodischer Tests können kontinuierliche Messungen von Temperatur, Druck oder mikrobiologischen Markern in Echtzeit bestätigen, dass die Prozessbedingungen innerhalb des sicheren Bereichs bleiben.
Der Ausgangspunkt bleibt jedoch derselbe: Validierung in der Praxis, nicht nur auf dem Papier. Die Inline-Prozessvalidierung ist keine zusätzliche Belastung, sondern ein notwendiger Schritt auf dem Weg zu einer modernen, datengesteuerten Lebensmittelsicherheitskultur, in der Gewissheit nicht vorausgesetzt, sondern nachgewiesen wird.
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