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Bongkrekssäure: ein unterschätztes, aber ernstes Risiko in der Nahrungskette

Der jüngste Fokus auf Bongkrekssäure unterstreicht, dass Lebensmittelsicherheit nicht auf traditionelle mikrobiologische Gefahren beschränkt ist. Für QS-Verantwortliche in der Lebensmittelindustrie ist dies ein klarer Weckruf: Auch weniger bekannte, toxinbildende Mikroorganismen können ein erhebliches Risiko darstellen, insbesondere wenn sie durch Standardkontroll- und -analyseverfahren unentdeckt bleiben.

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Reifender Mais an einer Maispflanze in einer landwirtschaftlichen Umgebung.

Ursprung und Entstehung: ein prozessbedingtes Risiko

Bongkrekssäure ist ein Toxin, das von Burkholderia gladioli pathovar cocovenenans produziert wird, einem Bakterium, das sich unter bestimmten Bedingungen in stärkehaltigen Lebensmitteln entwickeln kann. In der wissenschaftlichen Literatur wird beschrieben, dass sich das Toxin vor allem bei Fermentationsprozessen oder bei unsachgemäßer Lagerung von feuchten, stärkehaltigen Produkten bildet, wobei Parameter wie Temperatur, Wasseraktivität und Hygiene eine entscheidende Rolle spielen (EFSA, 2012; FAO/WHO, 2023).

Die Bildung des Toxins ist in hohem Maße von den Umweltbedingungen abhängig. Die Temperaturkontrolle scheint hier ein kritischer Faktor zu sein: Erhöhte Temperaturen stimulieren sowohl das Bakterienwachstum als auch die Toxinproduktion. Es handelt sich also nicht um ein klassisches "Produktkontaminationsproblem", sondern eher um ein prozessbedingtes Risiko, bei dem schon geringe Abweichungen bei den Produktions- oder Lagerbedingungen große Auswirkungen haben können.

Kokosnüsse, die als Rohstoff für die Weiterverarbeitung in der Lebensmittel- oder Industriebranche gelagert werden.

Auswirkungen: hohe Toxizität und begrenzte Nachweisbarkeit

Was Bongkrekssäure besonders riskant macht, ist die Kombination aus extremer Toxizität und dem Fehlen sensorischer Warnzeichen. Das Toxin ist geruchlos, farblos und hitzebeständig, d. h. es wird durch übliche thermische Verfahren nicht inaktiviert (WHO, 2020).

Toxikologische Bewertungen zeigen, dass Bongkrekissäure die mitochondriale Energieproduktion durch Hemmung der ADP/ATP-Translokase stört, was zu einer raschen Abschaltung der zellulären Energieversorgung und zum Versagen mehrerer Organe führt. Die Weltgesundheitsorganisation berichtet, dass eine Exposition zu schweren Vergiftungen mit hoher Sterblichkeit führen kann, selbst bei niedrigen Dosen (WHO, 2020; FAO/WHO, 2023).

Für Lebensmittelunternehmen bedeutet dies, dass es sich nicht um ein klassisches Qualitätsproblem handelt, sondern um eine hochgradige Gefahr für die Lebensmittelsicherheit mit direkten Auswirkungen auf die Verbrauchersicherheit und das Geschäftsrisiko.

Kontrolle: Prävention durch Prozessüberwachung

Da sich Bongkrekssäure vor dem Verzehr bildet und danach nicht mehr entfernt werden kann, liegt der Schwerpunkt ganz auf der Prävention. Internationale Organisationen für Lebensmittelsicherheit betonen, dass die Kontrolle in erster Linie durch die Überwachung von Prozessbedingungen, Rohstoffen und Lagerbedingungen erfolgen muss (FAO/WHO, 2023).

Strenge Temperaturkontrollen, hygienische Verarbeitungsumgebungen und eine gut etablierte Überwachung der Lieferanten sind in dieser Hinsicht unerlässlich. Darüber hinaus muss eine Kreuzkontamination vermieden werden, da sich Burkholderia gladioli über verschiedene Wege innerhalb der Produktionsumgebung verbreiten kann.

Warum Analysen und die Zusammenarbeit mit spezialisierten Labors so wichtig sind

Eine zusätzliche Herausforderung besteht darin, dass Bongkrekssäure bei der sensorischen Prüfung nicht nachweisbar ist. Dies macht die analytische Überwachung zu einer notwendigen Ergänzung der Präventivmaßnahmen, insbesondere bei risikoreichen Matrices.

In diesem Zusammenhang spielt das Fachwissen spezialisierter Labore eine immer wichtigere Rolle. Das Labor Friedle (Normec Foodcare) unterstützt die Lebensmittelindustrie mit fortschrittlichen Analysetechniken wie LC-MS/MS, mit denen Toxine und Kontaminanten in komplexen Matrizes nachgewiesen werden können. Diese analytischen Fähigkeiten stehen im Einklang mit der allgemeinen Entwicklung im Bereich der Lebensmittelsicherheit, wo sich die Qualitätssicherungssysteme zunehmend von der reaktiven Kontrolle zum proaktiven Risikomanagement verlagern, unterstützt durch validierte Labordaten.

Die Rolle solcher Laboratorien beschränkt sich nicht auf den Nachweis, sondern erstreckt sich auch auf die Validierung von Kontrollmaßnahmen und die Unterstützung von risikobasierten QS-Strategien.

Von der Bewusstseinsbildung zur strukturellen Kontrolle

Bongkrekssäure veranschaulicht, wie neue oder weniger bekannte Gefahren innerhalb einer internationalen Lebensmittelkette schnell relevant werden können. Die Herausforderung für QS-Manager besteht darin, solche Risiken rechtzeitig zu erkennen und sie in konkrete, prozessbasierte Kontrollmaßnahmen umzusetzen.

Durch Priorisierung der Prävention, unterstützt durch wissenschaftliche Erkenntnisse und spezialisierte analytische Expertise, kann diese Art von Risiko effektiv kontrolliert werden. In einer zunehmend komplexen Lebensmittelkette wird diese Integration von Prozesskontrolle und Laborunterstützung zu einer wesentlichen Voraussetzung für nachhaltige Lebensmittelsicherheit.

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